Für die großen Darts-Nationen beginnt der World Cup of Darts oft erst richtig in der K.-o.-Phase. Für Trinidad und Tobago war der große Moment schon vorher da. Joshua Balfour und James Walklin haben in Frankfurt Geschichte geschrieben: Das Debütduo gewann sein abschließendes Gruppenspiel gegen Lettland mit 4:3 und holte damit den ersten Sieg seines Landes in der Geschichte des World Cup of Darts.
Für den Einzug ins Achtelfinale reichte dieser besondere Erfolg nicht. Nach der vorherigen 2:4-Niederlage gegen Italien blieb Trinidad und Tobago in Gruppe J trotz des Sieges auf Rang drei. Am Ende entschied die Legbilanz zugunsten von Lettland, das trotz der Niederlage als Gruppensieger in die Runde der letzten 16 einzog.
Historischer Sieg trotz bitterem Aus
Genau dieser Gegensatz machte den Abend so besonders. Sportlich war das Turnier für Trinidad und Tobago vorbei. Emotional aber war dieser Sieg einer der Momente, die den World Cup of Darts ausmachen. Während die Favoriten vor allem an Titelchancen, Setzlisten und K.-o.-Duelle denken, ging es für Balfour und Walklin um etwas Grundsätzlicheres: auf dieser Bühne bestehen, ein Land sichtbar machen und zeigen, dass die eigene Teilnahme mehr ist als nur ein historischer Eintrag in der Teilnehmerliste.
Dabei hatte Trinidad und Tobago schon mit der Qualifikation ein Stück Darts-Geschichte geschrieben. Das Team war erstmals beim World Cup of Darts vertreten, nachdem Balfour und Walklin ihr Land über die regionalen Qualifier auf die Bühne in Frankfurt gebracht hatten. Schon das machte den Auftritt besonders. Der Sieg gegen Lettland gab diesem Debüt nun auch sportliches Gewicht.
Walklin: „Es war besser als meine Hochzeit“
Besonders emotional wurde es anschließend bei Walklin. Im Gespräch mit Oche180 sprach er offen über die Nervosität vor dem Auftritt. „Ich bin mit Schmetterlingen im Bauch auf diese Bühne gegangen“, sagte Walklin. Genau diese Anspannung sei für ihn aber kein Problem gewesen, sondern Teil des Moments: „Wenn man bei einer Sache im Leben keine Schmetterlinge im Bauch hat, ist sie es nicht wert.“
Dann folgte der Satz, der diesen Abend endgültig zur World-Cup-Geschichte machte. Walklin bezeichnete den Sieg als „die beste Erfahrung meines Lebens“ und ergänzte mit Blick auf seine Ehefrau: „Ja, es war besser als meine Hochzeit. Es war fantastisch.“
Das klingt im ersten Moment wie eine lockere Pointe. Im Zusammenhang mit diesem Abend zeigt es aber, wie groß dieser Moment für Spieler ist, die nicht Woche für Woche auf den größten PDC-Bühnen stehen. Für Walklin und Balfour war Frankfurt nicht nur ein Turnierort, sondern eine Bühne, auf der sie ihr Land erstmals in dieser Form vertreten konnten. Dass sie diese Bühne mit einem Sieg verließen, änderte die Wahrnehmung ihres gesamten Auftritts.
Ganz ohne Bitterkeit blieb der Abend dennoch nicht. Balfour machte nach dem Spiel deutlich, wie schwer das Aus trotz des historischen Erfolgs wog. „Nicht weiterzukommen, obwohl wir das Spiel gewonnen haben, ist sehr enttäuschend“, sagte er im Gespräch mit Oche180. Gleichzeitig verwies er auf die Regeln, Punkte und weitere Faktoren, die am Ende berücksichtigt werden müssten.
Genau daran wurde sichtbar, wie knapp Trinidad und Tobago an einem noch größeren Coup vorbeischrammte. Ein historischer Sieg, aber kein Achtelfinale: Für das Debütteam lagen Freude und Frust direkt nebeneinander. Balfour formulierte daraus trotzdem direkt einen Auftrag für die Zukunft. Man müsse nun zurück ans Reißbrett und es beim nächsten Mal besser machen.
Auch Walklin blickte nicht nur zurück, sondern sofort nach vorn. Beim Stand von 3:3 gegen Lettland hätten sich womöglich die Fesseln gelöst, weil das Duo nichts mehr zu verlieren gehabt habe. Die Erfahrung in diesem Umfeld beschrieb er als süchtig machend. Und er machte deutlich, dass Trinidad und Tobago zurück auf diese Bühne will: „Wir werden zurückkommen.“
Für den World Cup of Darts war dieser Auftritt ein perfektes Beispiel dafür, warum das Turnier mehr ist als ein reiner Vergleich der großen Darts-Nationen. England, die Niederlande, Schottland oder Deutschland bringen die großen Namen und den Titelkampf. Aber Länder wie Trinidad und Tobago bringen Geschichten, die es im normalen Tour-Alltag kaum gibt.
Am Ende schied das Debütduo nach der Gruppenphase aus. Doch Joshua Balfour und James Walklin verließen Frankfurt nicht als Randnotiz. Sie verließen die Bühne mit dem ersten World-Cup-Sieg ihres Landes, einem emotionalen Zitat für die Turnierchronik und dem Versprechen, wiederkommen zu wollen. Genau solche Abende geben dem World Cup of Darts seinen besonderen Reiz.










