William O’Connor kennt dieses Gefühl. 2019 stand der 39-jährige Ire mit seinem Land im Finale des World Cup of Darts, träumte vom größten Teamtitel der irischen Darts-Geschichte – und verlor gegen Schottland. Sieben Jahre später steht „The Magpie“ wieder den Schotten gegenüber. Diesmal nicht im Finale, sondern im Viertelfinale. Aber Gary Anderson ist wieder da.
Genau daraus entsteht die Geschichte dieses Duells. Die Republik trifft am Sonntag in Frankfurt auf die Schotten, William O’Connor mit Mickey Mansell auf den 55-jährigen Schotten und Cameron Menzies. Für das irische Team geht es um den Einzug ins Halbfinale. Für den Mann aus Limerick schwingt aber auch die Erinnerung an 2019 mit.
Die Partie eröffnet die Viertelfinal-Session am Sonntag. Ab 13 Uhr stehen zunächst beide Teams auf der Bühne, danach folgen England gegen Wales, Nordirland gegen Lettland und Niederlande gegen Deutschland.
O’Connor und die Erinnerung an 2019
2019 war die Republik so nah wie nie am World-Cup-Titel. O’Connor spielte damals an der Seite von Steve Lennon, das irische Duo kämpfte sich bis ins Finale und traf dort auf Schottland. Gary Anderson und Peter Wright waren am Ende zu stark und holten den Titel.
Für „The Magpie“ war es einer dieser Momente, die in einer Karriere hängenbleiben. Nach dem verlorenen Finale sagte er gegenüber Sporting Life, er werde auf das gesamte Turnier positiv zurückblicken. Mit Lennon im World-Cup-Finale zu stehen, sei „ein Traum“ gewesen. Zugleich blieb der bittere Nachsatz: Der Lauf sei möglich gewesen, doch der letzte Schritt sei nicht gelungen.
Jetzt steht der 39-Jährige wieder in einem großen World-Cup-Spiel. Der Rahmen ist ein anderer, der Partner ist ein anderer, die Runde ist eine andere. Doch der Gegner bringt dieselbe Schwere mit: Schottland. Und auf der anderen Seite steht wieder Anderson.
Irland kommt mit Arbeitssieg ins Viertelfinale
Irland hat sich diesen Platz am Finaltag verdient. Der Mann aus Limerick und Mickey Mansell setzten sich im Achtelfinale mit 8:5 gegen Polen durch und stehen damit unter den letzten acht Teams. Es war kein Auftritt für die große Show, sondern einer, der genau zu diesem Duo passt: solide, kämpferisch, unangenehm.
Gerade der irische Routinier bringt in diesem Format etwas mit, das sich nicht nur über Averages erklären lässt. Er kennt den World Cup, kennt die besonderen Druckmomente im Doppel und weiß, wie schnell ein Spiel kippen kann, wenn ein Team seine eigenen Anwurflegs nicht sauber hält.
Mansell muss in dieser Konstellation nicht der lautere Name sein. Seine Aufgabe ist klar: stabil bleiben, Scoring-Lücken schließen und „The Magpie“ genug Raum geben, um die wichtigen Momente zu gestalten. Gegen die Schotten braucht die Republik beides – Ruhe und Treffer zur richtigen Zeit.
„The Flying Scotsman“ führt Schottland mit Autorität
Schottland kommt mit Rückenwind in dieses Viertelfinale. Gary Anderson und Cameron Menzies ließen Norwegen im Achtelfinale keine Chance und gewannen deutlich mit 8:0. Das Ergebnis allein ist schon ein Signal. Noch wichtiger ist aber, wie selbstverständlich der 55-jährige Schotte in diesem Duo wieder als Anker wirkt.
„The Flying Scotsman“ ist längst nicht mehr der Spieler, der jede Woche im Zentrum der großen Titeldebatten steht. Aber im World Cup kann seine Klasse besonders wertvoll werden. Er braucht keine große Geste und keine übertriebene Lautstärke. Wenn der zweimalige Weltmeister seinen Rhythmus findet, wirkt vieles einfach – für ihn, für den Partner und für das gesamte Team.
Schon 2019 klang der alte Champion nach dem Titelgewinn eher erleichtert als überheblich. Er sei ohne klare Erwartungen gekommen, sagte er damals gegenüber Sporting Life, und nannte den Triumph „einen Schub fürs Selbstvertrauen“. Die richtigen Spiele zur richtigen Zeit hätten den Ausschlag gegeben. Genau diese Erfahrung macht ihn auch jetzt wieder gefährlich.
Menzies bringt Energie und Form mit, doch die historische Linie dieses Viertelfinals führt vor allem über den alten Champion und O’Connor. Das irische Team trifft nicht nur auf ein formstarkes Duo, sondern auf eine Erinnerung, die im World Cup noch immer nachhallt.
Warum dieses Viertelfinale mehr erzählt
Sportlich sind die Schotten Favorit. Das schottische Duo hat gegen Norwegen ein klares Ausrufezeichen gesetzt, während Irland gegen Polen härter arbeiten musste. Doch der World Cup lebt genau von solchen Konstellationen. Ein Favorit kann im Doppelmodus schneller ins Nachdenken kommen, als es die Namen auf dem Papier vermuten lassen.
Für die Republik wird entscheidend sein, das Spiel lange offen zu halten. O’Connor und Mansell dürfen den Gegner nicht früh davonziehen lassen. Sie brauchen saubere eigene Legs, Druck auf die Doppel und genau jene Momente, in denen aus Routine plötzlich ein Entscheidungsleg werden kann.
Für den Iren wäre ein Sieg nicht einfach nur der Einzug ins Halbfinale. Es wäre ein Stück World-Cup-Geschichte, das sich anders weiterschreibt als 2019. Damals blieb Irland kurz vor dem Titel stehen. Diesmal geht es noch nicht um den Pokal, aber um die Chance, einen alten Schmerz in neue Hoffnung zu verwandeln.
Alte Rechnung, neue Bühne
O’Connor gegen Anderson ist kein künstlich aufgeblasenes Duell. Es ist eine echte Turniergeschichte, weil beide Namen mit dem World-Cup-Finale 2019 verbunden sind. Der Schotte gewann damals den Titel. Der Ire musste zusehen, wie der Traum platzte.
Sieben Jahre später steht wieder Irland gegen Schottland auf dem Plan. Nicht im Finale, sondern im Viertelfinale. Nicht mit denselben vier Spielern, aber mit demselben emotionalen Kern. „The Magpie“ bekommt „The Flying Scotsman“ wieder vor die Nase – und die Republik bekommt die Chance, eine alte Rechnung zumindest ein Stück weit zu begleichen.
Schottland bringt Form, Erfahrung und einen alten Champion. Die Republik bringt O’Connor, Mansell und die Erinnerung an 2019. Genau daraus wird ein World-Cup-Viertelfinale, das mehr erzählt als nur den nächsten Namen im Halbfinale.









