Die große Entscheidung ist gefallen, doch erledigt ist diese Premier-League-Saison noch nicht. Vor der letzten regulären Nacht in Sheffield stehen die vier Teilnehmer der Final Night bereits fest: Luke Littler, Jonny Clayton, Gerwyn Price und Luke Humphries spielen in London um den Titel. Trotzdem hat der Abend in Sheffield sportlich noch Gewicht.
Denn vor dem großen Abschluss im O2 geht es nicht mehr um das Ob, sondern um den Weg. Besonders Price und Humphries kämpfen um eine Ausgangslage, die in London entscheidend werden kann. Wer am Ende Vierter bleibt, muss voraussichtlich direkt gegen Littler ran. Und genau dieses Halbfinale will kurz vor der Final Night niemand freiwillig buchen.
Price und Humphries jagen das bessere Halbfinale
Der spannendste Teil des Abends liegt deshalb nicht im Kampf um die Play-off-Plätze, sondern im Fernduell um Platz drei. Price trifft in Sheffield auf Gian van Veen, Humphries bekommt es mit Michael van Gerwen zu tun. Beide wissen: Jeder Punkt kann den Unterschied machen, ob der Weg zum Titel sofort über Littler führt oder zunächst über Clayton.
Das macht Sheffield brisanter, als die Tabelle auf den ersten Blick vermuten lässt. Ein Abend ohne Qualifikationsdruck ist es nicht. Price und Humphries spielen um Kontrolle, Rhythmus und ein mögliches taktisches Detail, das in London plötzlich riesig wirken kann.
Humphries kommt dabei mit frischem Rückenwind. Sein Sieg in Birmingham war mehr als ein normaler Tagessieg. Er schlug Littler im Halbfinale, bezwang Price im Endspiel und setzte damit ein klares Zeichen vor der Schlussphase. Ausgerechnet jetzt wirkt der Titelverteidiger wieder schärfer.
Littler bleibt der Spieler, den alle vermeiden wollen
Dass sich die Rechnung vor allem um Luke Littler dreht, sagt viel über diese Premier-League-Saison. Der Teenager hat die Ligaphase geprägt und geht als Maßstab in die Final Night. Für ihn selbst ist Sheffield tabellarisch kaum noch entscheidend. Für alle anderen bleibt er aber der Fixpunkt.
Sein Viertelfinale gegen Josh Rock ist deshalb mehr als ein lockerer Abschluss. Rock hat keine Chance mehr auf London, kann aber mit einem Sieg gegen Littler ein starkes Signal setzen. Für Littler geht es darum, die Saison nicht nur als Tabellenführer, sondern auch mit dem Gefühl maximaler Kontrolle in Richtung O2 zu führen.
Auch Clayton kann den Abend relativ entspannt angehen. Der Waliser ist bereits sicher dabei und trifft auf Stephen Bunting. Für ihn steht weniger die Tabelle im Mittelpunkt als die Frage, ob er vor London noch einmal die Form findet, die ihn in dieser Premier-League-Saison so gefährlich gemacht hat.
Van Gerwen kann nur noch Einfluss nehmen
Ungewöhnlich ist die Lage für Michael van Gerwen. Der Niederländer spielt in Sheffield nicht mehr um die Final Night, aber komplett bedeutungslos ist sein Auftritt gegen Humphries nicht. Gewinnt van Gerwen, kann er das Rennen zwischen Humphries und Price indirekt beeinflussen.
Genau deshalb bleibt Sheffield interessant. Die Premier League hat ihre vier Finalisten gefunden, aber noch nicht ihre endgültige Dramaturgie. Price und Humphries kämpfen um den besseren Weg, Littler bleibt der Gegner, dem alle möglichst lange ausweichen wollen, und London wirft bereits seinen Schatten voraus.
In Sheffield geht es also nicht mehr um die Frage, wer zur Final Night fährt. Es geht darum, wer dort mit dem besseren Gefühl und dem günstigeren Halbfinale ankommt.







