World Darts Championship ohne Van den Bergh, Barney und Williams?

Die World Darts Championship lebt von großen Namen. Aber genau das ist im modernen Darts auch die harte Wahrheit: Namen bringen keine Legs, keine Preisgelder und keine automatische WM-Qualifikation. Dimitri Van den Bergh, Raymond van Barneveld und Scott Williams stehen sinnbildlich für Spieler, die auf der großen Bühne noch immer ziehen – in der Ranglistenrealität aber längst gefährlich viel Boden verloren haben.

Vincent van der Voort hat das im Darts Draait Door Podcast nun ausgesprochen. Der frühere niederländische Profi sieht alle drei im Rennen um „Ally Pally“ ernsthaft gefährdet: Van Barneveld liegt aktuell auf Rang 44 der World-Championship-Race-Order, Scott Williams auf Rang 51, Dimitri Van den Bergh auf Rang 59. Sein Fazit war deutlich: „Ich glaube, alle drei schaffen es nicht zur WM. Jedenfalls nicht über die Ranglisten.“

So läuft die WM-Qualifikation über die Ranglisten

Genau deshalb ist die Lage für das Trio so heikel. Für die World Darts Championship qualifizieren sich zunächst die Top 40 der PDC Order of Merit. Danach folgen die besten 40 noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit. Der Rest des 128er-Feldes wird über internationale Qualifikationswege vergeben. Wer also weder über die große Weltrangliste noch über die ProTour genug Preisgeld sammelt, muss auf andere Wege hoffen – oder ist im schlimmsten Fall raus.

Für Van den Bergh, Van Barneveld und Williams ist vor allem dieser zweite Weg entscheidend. Die ProTour Order of Merit speist sich aus den Players-Championship-Turnieren und der European Tour. Genau dort zählen keine alten Namen, keine Bühnenmomente und keine Erinnerung an frühere WM-Läufe. Dort zählt nur, wer über das Jahr hinweg genug Preisgeld nachlegt.

Van den Bergh wird die ProTour zum Problem

Besonders deutlich wird das für Van den Bergh. Der Belgier stand vor nicht allzu langer Zeit noch regelmäßig tief in großen Turnieren, ist zweifacher Major-Sieger und war auf den großen Bühnen lange ein gefährlicher Gegner. Aktuell aber steckt „The DreamMaker“ mitten in einer sportlichen Rechnung, die sich nicht mehr über den Namen lösen lässt.

Der frühere niederländische Profi formulierte es hart. Van den Bergh sei im Moment ein Schatten des Spielers, der er einmal war. „Die Chance, dass Dimitri es schafft, ist ehrlich gesagt nicht besonders groß“, sagte der Niederländer. Zwar habe man beim World Cup gesehen, dass weiterhin Qualität vorhanden sei. Doch genau darin liegt das Problem: Qualität reicht nicht, wenn das Selbstvertrauen jederzeit wieder wegbrechen kann.

Für Van den Bergh wird ausgerechnet die ProTour zum entscheidenden Prüfstein. Dort müssen jetzt Preisgelder her, dort entscheidet sich der Weg nach London. Der 49-Jährige sieht genau darin die große Schwachstelle: Über die Jahre sei klar geworden, dass Van den Bergh die Floor-Turniere sehr schwerfallen. „Und genau dort muss es jetzt passieren“, sagte er. Sein bitteres Fazit: „Für ihn muss man noch mehr fürchten.“

Barney und Williams: Große Namen, kleine Fehlertoleranz

Auch bei Raymond van Barneveld hilft der große Name nur noch bedingt. Barney ist fünfmaliger Weltmeister, Publikumsmagnet und einer der wichtigsten Spieler der Darts-Geschichte. Aber die Rangliste fragt nicht nach Vergangenheit. Auf der European Tour hat der Niederländer in dieser Saison noch kein Match gewonnen, bei der Austrian Darts Open verlor er gegen Alan Soutar mit 2:6 und einem Average von nur 77,79 Punkten.

Van Barneveld hat inzwischen eine Pause eingelegt. Genau dort darf man aber auch kritisch werden. Eine Pause kann helfen, wenn der Kopf voll ist. Sie ersetzt aber keine Ergebnisse. Wenn ein Spieler ohnehin in der Order unter Druck steht, kann jedes ausgelassene Turnier den Abstand nur größer machen. Irgendwann geht es nicht mehr um Erholung, sondern um die Frage, ob der sportliche Anschluss noch da ist.

Van der Voort brachte diesen Druck auf den Punkt. „Bei Raymond weiß man nie ganz genau“, sagte er weiter im Podcast. Klar sei aber: Es müsse etwas passieren. Mehr als 20 ProTour-Turniere seien bereits gespielt, nur noch etwa zehn bis zwölf stünden aus. Dazu kämen wenige European-Tour-Events. „Alles muss in diesen Turnieren passieren“, erklärte er. Die Frage ist simpel: Wenn die Punkte jetzt nicht kommen, wo sollen sie dann noch herkommen?

Scott Williams ist der dritte prominente Name in dieser Rechnung. „Shaggy“ stand bei der WM 2024 noch im Halbfinale und war damals eine der Geschichten des Turniers. Seitdem aber ist der große Anschluss ausgeblieben. So hatte er frühe Niederlagen und Probleme mit Dartitis beziehungsweise mit der Wurfbewegung.

Van der Voort ordnete Williams dabei differenziert ein. „Er hatte ein bisschen Dartitis. Vielleicht hat er sie immer noch“, sagte der Niederländer. Besonders bitter sei das, weil Williams früher einen sehr schönen Wurf gehabt habe. „Ich fand ihn in dem Jahr am besten, in dem er keine Tour Card hatte“, erklärte der 49-Jährige. Damals habe Williams sogar ein ProTour-Turnier gewonnen. Heute sieht die Lage anders aus.

Der entscheidende Satz war aber ein anderer: Van der Voort sehe Williams stärker auf der Bühne als auf dem Floor. Genau das ist für die WM-Rechnung ein Problem. Denn wenn der Weg nach Alexandra Palace über konstante Ergebnisse bei Floor-Turnieren und European-Tour-Auftritten führt, hilft eine gute Bühne allein nicht weiter.

Gerade bei diesem Trio zeigt sich, wie brutal die Order-of-Merit-Logik im Darts sein kann. Wer früher einmal weit kam, trägt diesen Erfolg nicht ewig mit sich. Preisgeld fällt aus der Wertung, neue Blöcke müssen nachgelegt werden, und irgendwann kippt der Name schneller nach hinten, als es von außen wirkt.

Damit wird Van der Voorts Einschätzung mehr als eine steile Podcast-These. Sie trifft den Kern der aktuellen WM-Rechnung: Van den Bergh, Barney und Williams können sich nicht mehr auf ihren Namen verlassen. Die Top 40 der großen Order sind für sie schwierig, die ProTour wird zur letzten echten Rettungsroute. Wer dort nicht liefert, verliert nicht nur Plätze in der Rangliste – sondern womöglich auch den Platz im Alexandra Palace.

Noch ist nichts entschieden. Es bleiben Players-Championship-Turniere, European-Tour-Events und damit Preisgeldchancen. Aber die Komfortzone ist weg. Für Van den Bergh, Van Barneveld und Williams geht es nicht mehr darum, irgendwann wieder gut auszusehen. Sie müssen jetzt liefern. Sonst wird aus der Pause, der Formsuche oder dem alten Ruf am Ende nur eines: ein gnadenloser Absturz in der Ranglistenrealität.

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