Das Feld für das Women’s World Matchplay 2026 steht. Am 26. Juli kämpfen acht Spielerinnen in den Winter Gardens von Blackpool um einen der wichtigsten Titel im Frauendarts. Und schon die Auslosung zeigt: Das Turnier lebt nicht nur von Beau Greaves.
Natürlich geht die 22 Jahre alte Engländerin als große Favoritin in den Wettbewerb. Greaves führt die Rangliste klar an, dominiert die Women’s Series und hat zuletzt selbst offen darüber gesprochen, dass ihr Sprung in die Top 64 der Order of Merit für ihre Rivalinnen auch eine Art Befreiung sein könnte. In Blackpool wartet auf sie zum Auftakt Kirsi Viinikainen. Es ist ein Duell mit klarer Rollenverteilung: „Beau ’n’ Arrow“ muss gewinnen, Viinikainen kann das Turnier sofort öffnen.
Genau diese Erwartung macht Beau Greaves’ Auftritt interessant. Sie ist längst nicht mehr nur die beste Spielerin im Feld, sondern der Maßstab, an dem dieses Turnier gemessen wird. Alles andere als ein tiefer Lauf wäre eine Überraschung. Gleichzeitig zeigt gerade das Women’s World Matchplay, dass der Frauendarts nicht nur aus Greaves besteht.
Titelverteidigerin Lisa Ashton trifft in ihrem Viertelfinale auf Rhian O’Sullivan. Ashton hatte 2025 das Finale gegen Fallon Sherrock gewonnen und damit einen Titel geholt, der ihrer Karriere auch im PDC-Kontext noch einmal Gewicht gegeben hat. Gegen O’Sullivan startet sie nun nicht als lauteste Geschichte des Turniers, aber als Spielerin, die weiß, wie man diesen Tag in Blackpool übersteht.
Sherrock gegen Hedman als Duell mit Geschichte
Das auffälligste Viertelfinale neben der 22-Jährigen ist das Duell zwischen Fallon Sherrock und Deta Hedman. Sherrock gehört seit Jahren zu den Gesichtern des Frauendarts und ist beim Women’s World Matchplay weiterhin eine feste Größe. Sie gewann die erste Ausgabe 2022 und stand auch danach wieder in Finals. Für sie ist Blackpool kein Nebenraum der großen Bühne, sondern ein Ort, an dem ihre Rolle im Frauendarts immer wieder neu bewertet wird.
Hedman bringt eine andere Geschichte mit. Die 66 Jahre alte Engländerin qualifizierte sich nach starken Ergebnissen in der Women’s Series und gibt beim Women’s World Matchplay ihr Debüt. Dass ausgerechnet sie auf Sherrock trifft, gibt der Auslosung zusätzliche Schärfe. Es ist nicht nur ein Viertelfinale, sondern auch ein Duell zweier sehr unterschiedlicher Generationen und Erzählungen im Frauendarts.
Das vierte Viertelfinale bestreiten Gemma Hayter und Vicky Pruim. Hayter spielte eine konstante Saison, erreichte mehrere Finals und Halbfinals und sicherte sich dadurch Platz vier der Matchplay-Rangliste. Pruim wiederum feiert ihre Premiere in Blackpool und hat sich mit ihrem ersten Women’s-Series-Titel sowie weiteren starken Ergebnissen in das Feld gespielt. Dieses Match wirkt auf dem Papier weniger prominent, kann aber für die Dynamik des Turniers wichtig werden: Wer hier gewinnt, steht sofort im Halbfinale und damit mitten in einem der sichtbarsten Frauendarts-Events des Jahres.
Gespielt wird in einem kurzen, brutalen Format. Viertelfinale und Halbfinale laufen über Best of 9 Legs, das Finale über Best of 11 Legs. Viel Zeit zum Einspielen bleibt also nicht. Ein früher Fehlstart, zwei schwache Aufnahmen oder ein paar verpasste Doppel können reichen, um ein Turnier zu kippen.
Auch finanziell ist Blackpool für die acht Spielerinnen ein wichtiger Termin. Insgesamt werden beim Women’s World Matchplay 2026 £40.000 ausgespielt. Die Siegerin erhält £15.000, die Finalistin £8.000, die beiden Halbfinalistinnen jeweils £4.500 und alle Viertelfinalistinnen £2.000. Einen dritten Platz gibt es in diesem K.o.-Format nicht, beide Halbfinal-Verliererinnen werden gleich bewertet.
Noch wichtiger ist aber der sportliche Zusatzpreis. Die Siegerin erhält Einladungen zum Grand Slam of Darts und zur Weltmeisterschaft 2026/27. Das Matchplay-Preisgeld sollte dabei nicht mit der normalen Women’s Series Order of Merit verwechselt werden: Die Qualifikation für Blackpool basiert auf der Women’s-Series-Rangliste beziehungsweise dem speziellen Matchplay-Race, das Turnier selbst ist ein eigenes TV-Event mit eigenem Preisgeldtopf.
Genau deshalb ist das Women’s World Matchplay sportlich reizvoller, als der Blick auf die klare Favoritin vermuten lässt. Greaves ist der Fixpunkt, Ashton bringt den Titel mit, Sherrock den großen Namen, Hedman die Erfahrung und die Debütantinnen die Möglichkeit, das Feld aufzubrechen. Das Turnier ist klein, aber nicht beliebig. Es bündelt an einem Nachmittag fast alle großen Fragen im aktuellen Frauendarts: Wie dominant bleibt „Beau ’n’ Arrow“? Wie stabil ist Ashton als Titelverteidigerin? Wie viel Sherrock-Magie steckt noch in Blackpool? Und wer nutzt die Bühne, um aus der zweiten Reihe sichtbar zu werden?
Für Greaves ist Blackpool der nächste Prüfpunkt auf dem Weg in eine größere PDC-Rolle. Für die anderen ist es auch die Chance, zu zeigen, dass das Women’s World Matchplay mehr ist als die nächste Station ihrer Dominanz. Genau darin liegt die Spannung dieses Turniers.









