Die International Darts Open 2026 in Riesa hatten über drei Tage fast alles, was ein European-Tour-Wochenende braucht: deutsche Hoffnungen, eine laute Halle, enge Matches, emotionale Momente und am Ende einen Sieger, der sich seinen Titel über einen bemerkenswerten Finaltag erarbeitete. Ross Smith gewann das Turnier mit einem 8:3 im Finale gegen Ryan Searle und sicherte sich damit den Titel in der WT Energiesysteme Arena.
Für Smith war es ein Finaltag mit mehreren Schlüsselmomenten. Er schlug zunächst Ricardo Pietreczko, überstand anschließend Michael van Gerwens Comeback im Decider, stoppte Cameron Menzies im Halbfinale mit 7:0 und setzte sich im Endspiel gegen Searle klar durch. Damit bekam Riesa einen Champion, der nicht in jedem Match glänzte, aber in den entscheidenden Momenten die besseren Antworten hatte.
Freitag: Pietreczko setzt das erste deutsche Zeichen
Der Start der International Darts Open 2026 in Riesa verlief aus deutscher Sicht zunächst gemischt. Mehrere deutsche Spieler standen am Freitag auf der Bühne, doch nur Ricardo Pietreczko sorgte früh für einen klaren sportlichen Erfolg. Er gewann seine Auftaktpartie gegen Maik Kuivenhoven mit 6:2 und beendete damit eine Durststrecke auf der European Tour.
Niko Springer musste sich dagegen Charlie Manby mit 3:6 geschlagen geben, Paul Krohne verlor gegen William O’Connor mit 2:6, und auch Michael Unterbuchner verpasste trotz engem Match gegen Cameron Menzies den Sprung in die zweite Runde. Für die deutschen Fans war der Freitag deshalb vor allem ein Tag mit viel Hoffnung, aber nur einem echten Ergebnisanker.
International zeigte sich bereits, dass Riesa kein Wochenende für einfache Favoritengeschichten werden würde. Rob Cross gewann gegen Dirk van Duijvenbode erst im Decider, Joe Cullen setzte sich knapp gegen Chris Landman durch, und Kim Huybrechts nahm mit einem Sieg gegen Daryl Gurney Schwung mit ins Turnier. Der erste Tag legte damit den Grundton: Riesa wurde laut, eng und schwer berechenbar.
Samstag: Schindler und Pietreczko tragen die deutschen Hoffnungen
Am Samstag nahm der deutsche Riesa-Faktor richtig Fahrt auf. Pietreczko bestätigte seinen Auftaktsieg und rang Danny Noppert mit 6:5 nieder. Damit stand er am Finaltag und bekam die Chance, aus einem schwierigen Vorlauf-Wochenende ein starkes European-Tour-Ergebnis zu machen.
Am Abend folgte Martin Schindler. Deutschlands Nummer eins lieferte gegen Karel Sedláček ein nervenstarkes 6:5 ab und brachte die Halle endgültig zum Beben. Schindler und Pietreczko hatten sich durch einen intensiven Samstag gekämpft und gemeinsam das Achtelfinale erreicht.
Auch abseits der deutschen Spiele im Rahmen der International Darts Open 2026 in Riesa verdichtete sich das Feld. James Wade setzte mit einem 6:0 gegen Dave Chisnall ein deutliches Zeichen, wollte den Whitewash danach aber nicht groß feiern. Im Bühneninterview sagte Wade, es gebe „nichts Schlimmeres als ein Whitewash im Profidarts“; trotz des klaren Erfolgs fühle sich ein solches Ergebnis „einfach nicht richtig“ an. Wade nannte Chisnall zudem „einen der guten Jungs im Darts“ – ein Detail, das gut zeigte, wie respektvoll selbst ein 6:0 auf dieser Bühne eingeordnet werden kann.
Michael van Gerwen kam gegen Madars Razma mit 6:5 durch, Stephen Bunting startete als Titelverteidiger mit einem 6:2 gegen Krzysztof Ratajski, und Gian van Veen löste seine Aufgabe gegen Connor Scutt souverän. Für den Finaltag war damit alles angerichtet.
Sonntagmittag: Deutsche Hoffnungen enden vor der Abend-Session
Der Finaltag begann mit starken internationalen Auftritten. Gian van Veen eröffnete die Achtelfinals mit einem 6:2 gegen Kevin Doets und spielte dabei einen 103er-Average. Ryan Searle ließ Kim Huybrechts beim 6:1 kaum Luft, Rob Cross warf Titelverteidiger Stephen Bunting mit 6:2 aus dem Turnier, und Ryan Joyce setzte sich in einem engen Match mit 6:5 gegen Jermaine Wattimena durch.
Danach rückten die deutschen Spiele in den Mittelpunkt. Pietreczko unterlag Ross Smith mit 4:6 und verpasste damit das Viertelfinale gegen van Gerwen. Statistisch war die Partie eng, doch Smith hatte die besseren Spitzen und die etwas stabileren Abschlüsse.
Schindler bekam im letzten Achtelfinale der Nachmittagssession noch einmal eine besondere Bühne. Schon beim Walk-on tobte die Halle, das Publikum sang lautstark mit, und selbst Cameron Menzies ließ sich kurz von der Stimmung anstecken. Sportlich fand Schindler danach aber nicht genug Zugriff. Er verlor mit 2:6 gegen Menzies, der sechs seiner acht Doppel traf. Damit war der Finalabend in Riesa ohne deutsche Beteiligung.
Sonntagabend: Van Gerwen-Drama und Menzies-Emotionen
Auch ohne deutsche Spieler blieb die Halle lebendig. Ryan Searle stoppte im ersten Viertelfinale Gian van Veen mit 6:3 und zeigte nach van Veens starkem Nachmittag die bessere Abendform. Rob Cross gewann anschließend ein enges 6:5 gegen Ryan Joyce, obwohl Joyce den höheren Average spielte.
Das dramatischste Viertelfinale lieferte Ross Smith gegen Michael van Gerwen. Smith führte bereits mit 4:0, ehe van Gerwen vor starker Riesa-Kulisse Leg für Leg zurückkam und den Decider erzwang. Doch Smith brachte das Match trotzdem mit 6:5 ins Ziel. Van Gerwen spielte zwar den höheren Average, traf aber nur fünf seiner 21 Doppel.
Cameron Menzies sorgte danach für einen der emotionalsten Momente des Abends. Der Schotte bezwang James Wade mit 6:4 und war nach dem letzten Dart völlig aus dem Häuschen. Minutenlang feierte er seinen Halbfinaleinzug, sichtbar überwältigt von diesem Moment. Für Menzies war es das erste Halbfinale auf der European Tour in dieser Saison – und es passte zu einem Finaltag, an dem er sich nach Siegen gegen Schindler und Wade immer weiter in den Mittelpunkt spielte.
Smith krönt seinen Finaltag mit dem Titel
Im Halbfinale nahm der Abend noch einmal eine harte Wendung. Ryan Searle setzte sich in einem Decider-Krimi mit 7:6 gegen Rob Cross durch und zog als erster Spieler ins Finale ein. Besonders wichtig war das elfte Leg, in dem Searle ein hohes Finish zum 6:5 spielte und damit die Tür zum Endspiel öffnete. Cross kam zwar noch einmal zurück, doch Searle blieb im letzten Leg stabil.
Ross Smith zerstörte den Menzies-Lauf komplett: 7:0 im Halbfinale. Der Schotte fand nach seinem emotionalen Viertelfinalsieg überhaupt nicht in die Partie. Smith nutzte seine Chancen eiskalt, traf sieben seiner elf Doppel und ließ Menzies kein einziges Leg. Besonders bitter für den Schotten: Er bekam fünf Darts auf Doppel, traf aber keinen einzigen.
Im Finale gegen Searle war Smith dann nicht mehr aufzuhalten. Er gewann mit 8:3, obwohl Searle mit 90,11 Punkten den etwas höheren Average spielte. Der Unterschied lag auf den Doppeln: Searle traf nur drei seiner 16 Versuche, Smith nutzte acht seiner 21 Chancen und entschied das Endspiel kontrolliert für sich.
Damit blieb von Riesa ein Wochenende mit vielen Ebenen: Pietreczkos Auftaktsignal, Schindlers Samstagabend-Drama, die deutsche Enttäuschung am Sonntag, van Gerwens beinahe geglücktes Comeback, Menzies’ emotionale Achterbahnfahrt – und am Ende Ross Smith als Champion der International Darts Open 2026. Nicht jeder Auftritt war hochklassig, aber der Finaltag hatte genau das, was die European Tour ausmacht: Stimmung, Wendepunkte und einen Sieger, der seine wichtigsten Darts dann traf, wenn es zählte.







