Martin Schindler wirkt aktuell wie ein Spieler, der sein eigenes Spiel sucht – und genau das macht die Situation so ungewöhnlich. Denn der Deutsche gehört längst zu den konstantesten Spielern der Tour. Doch der Start ins Jahr 2026 verläuft alles andere als geplant. Schindler selbst findet dafür drastische Worte. „Mein Kopf fühlte sich an, als wäre er zwei Meter vom Board entfernt“, beschreibt er seine aktuelle Verfassung, laut der englischen Dartseite „Oche180“. Ein Satz, der mehr erklärt als jede Statistik.
Wenn das Gefühl plötzlich fehlt
Was Schindler beschreibt, ist im Darts selten sichtbar – aber entscheidend: das fehlende Timing. Auf dem Practice Board funktioniert vieles noch. Das Gefühl sei da, die Darts „im Arm“, wie er selbst sagt. Doch auf der Bühne kippt dieses Gleichgewicht. Das Resultat: Unsicherheit statt Rhythmus. Beim ersten Players Championship des Jahres wurde das besonders deutlich. Schindler kassierte eine 0:6-Niederlage mit einem Average von nur 65 Punkten – ein Wert, der für seine Verhältnisse weit unter dem Normalniveau liegt. Ein Ausreißer – aber einer mit Wirkung.
Der verpasste Start wiegt schwer
Gerade der Saisonbeginn ist für viele Spieler entscheidend. Rhythmus, Selbstvertrauen, erste Ergebnisse – all das baut sich früh auf. Bei Martin Schindler lief es genau andersherum. Nach der Auftaktniederlage musste er zudem krankheitsbedingt zwei Players Championship Turniere absagen. Der Effekt: kein Flow, keine Serie, kein Aufbau. „Das hat mich getroffen“, gibt er weiter laut Oche180 offen zu. Und genau hier beginnt die eigentliche Problematik. Denn ohne diesen Einstieg gerät ein Spieler schnell in eine Spirale.
Der Versuch, es zu erzwingen
Besonders interessant: Schindler erkennt selbst, wo das Problem liegt. Er habe versucht, die Situation aktiv zu korrigieren – vielleicht sogar zu stark. Ein klassisches Muster im Spitzensport:
- Form fehlt
- Spieler arbeitet mehr
- Druck steigt
- Timing leidet weiter
Ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist. Auch auf der European Tour zeigte sich dieses Bild zuletzt. Beim German Darts Grand Prix unterlag Schindler im Achtelfinale klar mit 2:6 gegen Nathan Aspinall und fand nach gutem Start nicht mehr ins Spiel zurück.
Und trotzdem: Komplett eingebrochen ist Schindler nicht. Er selbst betont, dass die Ergebnisse insgesamt „okay“ seien. Siege sind weiterhin da, Niederlagen nicht die Regel. Das macht die Situation noch komplexer. Denn es ist keine klassische Krise mit klaren Niederlagenserien – sondern eine Phase, in der das eigene Level nicht abrufbar scheint. Ein Unterschied, der oft unterschätzt wird.
Eine neue Situation für „The Wall“
Für Schindler ist diese Phase auch deshalb besonders, weil sie neu ist. Nach seinem starken Jahr 2025 mit Titeln und dem Sprung in die Top 16 der Welt hatte sich eine gewisse Stabilität eingestellt. Jetzt steht er vor einer anderen Herausforderung:
- nicht der Aufstieg
- sondern der Umgang mit Formschwankungen
Und genau das ist oft der nächste Schritt in der Entwicklung eines Topspielers.
Trotz aller Probleme bleibt Schindler bemerkenswert ruhig. „Wir sind weit vom Ende entfernt, wir machen weiter“, sagt er. Kein Drama, keine Ausreden – sondern Einordnung. Und genau das könnte entscheidend sein. Denn solche Phasen entscheiden nicht darüber, wie gut ein Spieler ist. Sondern darüber, wie stabil er bleibt. Martin Schindler steht aktuell nicht vor einem Absturz. Sondern vor einem Test. Und genau dieser Test könnte langfristig mehr über seine Karriere aussagen als jeder Titel.







