Die European Tour steht erneut in der Kritik – und diesmal kommt sie von einem der etabliertesten Spieler der PDC: Jonny Clayton. Der Waliser hat offen damit gedroht, künftig auf Turniere der Serie zu verzichten, sollte sich die aktuelle Situation rund um Reisen und Organisation nicht verbessern.
Auslöser sind massive Probleme bei der Anreise zum Belgian Darts Open, die bei mehreren Spielern für Frust sorgten.
„Zwei Stunden Warteschlange? Keine Chance“
Clayton sprach ungewöhnlich offen über seine Erfahrungen. Vor allem die Einreisebedingungen für britische Spieler nach EU-Events seien aktuell ein großes Problem.
Da viele Profis keine EU-Pässe besitzen, können sie nicht die schnelleren E-Gates nutzen und müssen stattdessen lange Wartezeiten bei manuellen Kontrollen in Kauf nehmen. Genau das wurde beim Turnier in Belgien zum entscheidenden Faktor. Clayton fand dafür klare Worte: Warteschlangen von bis zu zwei Stunden seien für ihn nicht akzeptabel. Sollte sich die Situation nicht verbessern, ziehe er ernsthaft in Betracht, auf European-Tour-Events zu verzichten.
Eine Aussage mit Gewicht – schließlich gehört Clayton seit Jahren zu den konstantesten Spielern auf dieser Turnierserie.
Starke Leistung trotz Frust – Finale in Belgien
Bemerkenswert ist dabei: Trotz der schwierigen Umstände zeigte Clayton in Wieze eine starke Leistung. Beim Belgian Darts Open spielte er sich bis ins Finale und unterlag dort erst Luke Humphries. Das unterstreicht ein bekanntes Muster im Darts: Spieler können äußere Einflüsse kurzfristig ausblenden – doch langfristig wirken sich solche Faktoren oft auf Planung, Motivation und Turnierteilnahme aus.
Gerade die European Tour lebt von ihrer internationalen Struktur. Wenn jedoch logistische Probleme den Alltag der Spieler erschweren, könnte das mittelfristig Auswirkungen auf die Qualität und Besetzung der Turniere haben.
Mehr als ein Einzelfall: Strukturelles Problem im Kalender?
Claytons Aussagen sind kein isolierter Einzelfall. Immer wieder äußern Spieler Kritik an Reisebelastung, engem Kalender und organisatorischen Abläufen.
Die aktuelle Situation verschärft diese Diskussion zusätzlich. Seit dem Brexit sind Einreisen in EU-Länder für britische Spieler komplizierter geworden – ein Faktor, der gerade bei regelmäßig stattfindenden Turnieren wie der European Tour immer stärker ins Gewicht fällt. Claytons Drohung ist daher auch als Warnsignal zu verstehen: Wenn selbst Topspieler über einen Verzicht nachdenken, könnte dies langfristig Konsequenzen für die Tour haben.
Gleichzeitig zeigt seine Haltung aber auch eine klare Prioritätensetzung. Trotz aller äußeren Umstände betont der Waliser, dass sein Fokus weiterhin auf seiner eigenen Leistung liegt. In der Premier League spielt er aktuell eine starke Saison und kämpft um die Teilnahme an den Playoffs.
Zwischen Belastung und Realität des modernen Darts
Jonny Claytons Aussagen werfen ein Schlaglicht auf ein Thema, das im Darts immer präsenter wird: die Balance zwischen globalem Tourbetrieb und praktikablen Bedingungen für die Spieler. Sein möglicher Verzicht auf European-Tour-Events wäre ein deutlicher Einschnitt – nicht nur sportlich, sondern auch symbolisch.
Noch ist es eine Drohung, keine Entscheidung. Doch sie zeigt, dass selbst etablierte Profis an Grenzen stoßen, wenn organisatorische Faktoren den sportlichen Alltag zunehmend beeinflussen.
Und genau darin liegt die eigentliche Brisanz dieser Entwicklung.







